Bauanleitung – Lab Cold Dripper

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Wie baue ich mir meinen eigenen Cold Dripper? Einmal mit Cold Drip Coffee experimentiert, ist man aus den Socken gehauen.

Für den Laien: Was ist "Cold Drip"? Cold Drip ist eine besondere Zubereitung für Kaffee. Es wird dabei das kalte Wasser tröpfchenweise (wortwörtlich!!!) auf das Mahlgut gelassen, welches dann extrahiert ebenso unten in den Behälter tropft, nach dem es den Weg durchs Mahlgut gefunden hat. Und ja – es ist kalter Kaffee; aber nicht kalt geworden, sondern bewusst kalt extrahiert.

Viele kennen den aber bereits den Begriff und ebenso daneben den „Cold Brew“. Der Unterschied ist dabei, dass der Cold Drip immer nur tröpfchenweise über einen Zeitraum von bis zu 24 h mit dem Kaffee in Kontakt kommt, beim Cold Brew ist das Wasser üblicherweise in einem Behältnis bis zu 24 h permanent im Kontakt (z. B. PET Flasche).

Wer sich einmal in einen Dripper verliebt hat, dem ist schnell das herkömmlich verfügbare Angebot zu klein (max. 1 Liter). Unabhängig vom reinen Cold Drip auf Crushed Ice seien zahllose Anwendungsbeispiele genannt:

  1. Kaffeelikör (perfekt für White Russian)
  2. Kaffeeeiswürfel (eine wahre Augenweide und extrem spannend, da dem Getränk nach und nach Kaffee zugeführt wird)
  3. Macarons (ein Traum)
  4. Cold Drip Gin Tonic (schmeckt auch sehr gut ohne Gin …. Aber nur tagsüber 😉 )
  5. Coffee Stout
  6. Et cetera et cetera …

Das geniale an einem kalt extrahierten Cold Drip ist prinzipiell nämlich, dass auf der einen Seite Bitterstoffe durch die Kaltextraktion (fast) gar nicht erst gelöst werden, und auf der anderen Seite die kaffeeeigenen Aromen extrem gut hervortreten. Das ist auch der Grund, warum die meisten afrikanische natural aufbereitete Kaffees verwenden – die charakteristische Frucht ist bei passendem Wasser oft so prägnant im Glas zu finden, dass auch ich schon diverse Male (obwohl ich es besser wusste) überlegen musst, ob vielleicht doch Fruchtsaft hinzugefügt wurde.

Jetzt aber zur eigentlichen Bauanleitung. Die Auswahl der Materialien habe ich in der Form durchgeführt, da ich am Ende einen Look haben wollte, der Walter White ebenbürtig sein kann und dann das Ganze in einem roughen industrial vintage look.

Das mit Abstand schwierigste war für mich die Auswahl des Laborequipments – wenn man nicht weiß nach welchen Namen man sucht, wird es auch mit Google verdammt schwierig.

Benötigte Materialien

  1. Holz

Buche massiv (4 Meter Länge, 19 cm breit, 2,8 cm dick)

Etwas Baumarktholz (1 cm dick) für Schablonen

Die Wahl des Holzes ist natürlich optional und kann anders ausfallen. Die Holzwahl wurde aus optischen Gründen so gefällt.

  1. Gewindestangen

4 x 100 cm lang – Durchmesser 2 cm

Der Durchmesser kann natürlich auch anders gewählt werden, je nachdem wie dick der Durchmesser der Löcher in den Holzplatten ist. Von der Relation ist es aber so am passendsten.

Preis: ca. 30 bis 40 Euro

Bezugsquelle: Eigentlich jeder herkömmliche Baumarkt. Im Internet z. T. auch günstiger. Da es bei den Teilen aber z. T. aus den Beschreibungen nicht sauber ersichtlich ist, habe ich die Beratung vor Ort und höheren Preis vorgezogen um sicher zu sein.

  1. Sechskantmuttern

24 x Sechskantmuttern M20

Natürlich passend der Wahl der Gewindestangen

Preis: ca. 20 bis 25 Euro

Bezugsquelle: siehe Gewindestangen

  1. Laborequipment
    1. Scheidetrichter 2000 ml(Hersteller Lenz) (separating funnel - engl.)
    2. Schlitzsiebnutsche 500 ml (Hersteller Duran) (slit-sieve funnel - engl.)

Je nach Rezeptur ist die Größe u. U. sehr knapp bemessen. Bei 20 Gramm auf 100 ml ist die Nutsche faktisch randvoll bei einem Liter Wasser. Was aber unproblematisch machbar ist, den Zylinder durch einen Glaser verlängern zu lassen. Ich würde keine breitere nehmen, da der Zylinderdurchmesser so schon relativ groß ist.

       3. Erlenmeyerkolben 2000 ml (Hersteller Lenz) (erlenmeyer flask – engl.)

Optional machen mehrere Sinn

       4. Filterpapier (rund) (Hersteller IDL GmbH)

Preis: 250 bis 350 Euro

Bezugsquelle: Ich habe das Equipment konkret hier in Münster bei einem kleinen Laborbedarf auf dem Sentmaringer Weg gekauft. Es gibt auch hier wieder natürlich diverse Bezugsquellen im Internet.

Summa summarum ergibt sich ohne Herstellungskosten ein Preis von ca. 500 Euro. Das ist sicherlich auch nicht wenig, aber im Vergleich zu den Preisen aus Japan sind es gerade mal 25-30 % der Kosten, vorausgesetzt man kann das Holz entsprechend verarbeiten.

Da das Verarbeiten des Holzes mit Abstand das aufwändigste ist, war mein Bruder Ingo so freundlich dazu detailliert sein Vorgehen zu beschreiben.

Holzverarbeitung

Bei den letzten beiden Drippern, dies ist einer davon, habe ich als "Grundlage" ca 4 Meter lange, unbehandelte, abgelagerte Massivholzbretter aus Buche genommen. Diese waren zwischen 14 und 19 cm breit und ca. 2,8 cm dick.

Rein rechnerisch reicht somit 1 Brett für einen Dripper, allerdings gibt es immer etwas Schwund und da die Bretter nicht aus dem Baumarktregal kommen, hat man immer auch Rinde o.ä. dran, was ebenfalls Verlust bedeutet. Ich versuche solches Holz zwar eigentlich sogar bevorzugt einzusetzen, da genau diese kleinen "Macken" dem fertigen Stück das gewisse Etwas verleihen, aber hier habe darauf verzichtet. Beim nächsten Mal mache ich es wieder anders.

Mit einem Elektrohobel zunächst alles "säubern". Ich benutze meist einen Einhandhobel von Mafell mit doppelter Klinge. Ich bin immer wieder erstaunt, was das aus Brettern macht, die vorher aussahen, wie "hinter der Garage hervorgezogen". Unglaublich, wie oft Leute genau sowas wegwerfen, obwohl es eigentlich teure Buche oder Eiche ist.

Durch die Trocknung / Lagerung, sind die Bretter zum Teil arg verzogen, so dass die Längsseiten nicht wirklich gerade sind. Also auf beiden Seiten einmal gerade sägen. Entweder danach oder vorher, 40cm Abschnitte für die spätere Verarbeitung zuschneiden. Ich schneide normalerweise vorher das Brett in Stücke, da ich somit beim geradesägen weniger Verlust habe, sollte das Brett mal sehr stark verzogen sein.

Idealerweise hat man am Ende 9 Bretter in 40 cm Länge, ca. 15 cm Breite und ca. 2,5 cm Stärke.

Da ich eher ein Tim, als ein Al bin, lege ich dann verschiedene Kombinationen von Brettern nebeneinander, damit ich möglichst passende zum verleimen finde. Wenn nach dem "Geradesägen" noch einmal kurz mit dem Hobel über die Seite gefahren wird, passen die Bretter meist besser aneinander.

Für die drei Ebenen müssen nun je zwei Bretter an einer Längsseite miteinander verleimt werden. Ich habe es auch schon mit Fachdübeln und Holzdübeln gemacht, aber einfach sauber verleimen und mit Schraubzwingen ausreichend lange auf Druck halten, ist absolut ausreichend.

Für den Boden (Unterseite) die restlichen drei Bretter an der Längsseite verleimen. Auf dieses "3-fach-Brett" wird dann eins der vorher gemachten "2-fach-Brettern" mittig aufgelegt und damit verleimt. Dadurch steht der Dripper stabiler wegen der größeren Auflagefläche und da Buche recht schwer ist, wird die Stabilität nochmals erhöht.

Für den Erlenmeyerkolben ganz unten, habe ich dann mit einer Oberfräse eine Vertiefung von einigen mm gefräst. Für gelegentliche Arbeiten ist die Einhell RT-RO 55 absolut ausreichend. Als normaler Heimbastler ist das kein Gerät, welches man ständig einsetzt. Die Vertiefung muss nicht unbedingt sein. Letztlich dient sie mehr der Optik.

Die anderen beiden benötigen nun Löcher für den Scheidetrichter und die Schlitzsiebnutsche. Diese zeichnet man entweder auf und schneidet sie mit der Stichsäge aus, oder man greift wieder zur Oberfräse. Da ich insbesondere bei dem Scheidetrichter nicht so ganz genau wusste, was die richtige Größe ist und die Schlitzsiebnutsche im Mittelteil wegen der geringen Auflagefläche keinen Spielraum für Fehler ließ, habe ich mit Schablonen gearbeitet.

Also: billiges ca. 1 cm dickes Holz aus dem Baumarkt geholt und drei 30-40 cm Stücke zu recht gesägt. Hier dann die Löcher aufzeichnen und mit der Stichsäge aussägen. Prüfen, ob das entsprechende "Glasteil" passt und ggf. etwas mehr sägen, bis es passt. Zuviel gesägt? Egal, nächstes Baumarktbrett und nochmal.

Auf jeden Fall darauf achten, dass die Löcher mittig sind, sonst ist später nicht alles exakt übereinander.

Die Schablonen nun jeweils unter die Buchenbretter legen. In die Oberfräse spannt man dann einen Bündigfräser mit Anlaufring unten ein. Fräse die Tiefe muss man nicht unbedingt einstellen, da unter der Schablone ja normal der Tisch ist, ich würde sie aber doch auf wenige mm oberhalb des Tisches einstellen und sicher gehen, dass der Anlaufring sauber auf der Höhe der Schablone und der Fräskopf selbst die gesamte Dicke des Buchenbrettes abdeckt. Man kann sich dann mit der Fräse einfach spiralförmig durch die Buche fräsen und wenn die Schablone berührt wird, kommt man nicht weiter und hat das Loch sauber übertragen.

Je nach Größe des Fräsers muss man natürlich zu Beginn mittig ein Loch bohren, um den Fräser einmal eintauchen zu können. Ich benutze hier gerne einen 2 cm Forstnerbohrer, den ich auf eine Bohrmaschine setze. Die 4 cm Variante eignet sich übrigens prima um Vertiefungen für Teelichter zu setzen.

Fast fertig ... Um die drei Ebenen übereinander auf Abstand zu halten, fehlt noch was. Ursprünglich hatte ich in jedes Brett mit einem 22mm Flachfräsbohrer (auch einfach in die Bohrmaschine spannen) je vier Löcher in die Ecken gemacht, Bucherundstäbe von 20mm durchgesteckt und diese von der Seite mit einer Schraube in der richtigen Höhe fixiert.

Svens Änderung gefällt mir aber aus verschiedenen Gründen besser: 2 cm Dicke Gewindestangen, mit passenden Muttern und Unterlegscheiben, die die Löcher überdecken. Das wirkt optisch wesentlich wertiger und so genau, kann man mit den Holzrundstäben die Ebenen gar nicht fixieren. Nachträgliche Änderungen sind auch schwierig.

Ganz vergessen: Vorm Zusammenbauen alles ordentlich schleifen. ich bevorzuge einen Exzenterschleifer, aber das ist sicher Ansichtssache. mit 80er Papier kann man vorher einmal über die Ecken und Kanten gehen und so alles etwas abrunden. Per Hand ist das wesentlich ungenauer als wenn man die Oberfräse mit Profilfräser nimmt, aber ich finde das Ergebnis irgendwie netter. Ob man bis 120, 180, 240 oder gar höher schleift ist ebenfalls Ansichtssache. ich höre bei Oberflächen die man viel anfasst, wie z.B. bei Tischen meist bei 180 oder 240 auf.

Das spannendste ganz zum Schluss: Einölen. Kann man sein lassen, lasieren, beizen o.ä. geht auch. Ich werde bei meinem nächsten Dripper einmal was Neues versuchen und mit Essig, Stahlwolle und Kaffee arbeiten. Wen dies interessiert: einfach Googeln, ist kein Geheimtipp.

Hier habe ich aber einfach mehrfach mit Olivenöl geölt. Ich weiß dass hier die Meinungen auseinander gehen und mir jeder echte Holzwurm ein zweites Brett vor meinen Kopf schrauben möchte, aber meine Erfahrungen waren bisher durchweg positiv.

Allgemeine Hinweise

  1. Sechskantmuttern - Diese sind praktisch, da sich damit sehr einfach die Fräslöcher überdecken lassen. Hier muss man von daher nicht 100%ig sauber arbeiten. Des Weiteren lassen sich mit den Muttern alle Stangen und somit der gesamte Dripper extrem gut justieren. Bitte – wie bei allen Möbeln – alles nacheinander justieren und final erst fest fixieren!
  2. Füße – Unten schauen die Gewindestangen je nach Bedarf entsprechend lang heraus. Wichtig ist, dass sie einige Zentimeter herausstehen, damit man die Stangen mit den Muttern sauber fixieren kann. Für die Füße gibt es dann unterschiedliche Möglichkeiten. Ich habe einfach 2 cm Plastikfüße verwendet.
  3. Abstand Erlenmeyerkolben / Schlitzsiebnutsche – Beim Zusammenbauen darauf achten, dass das Rohr der Nutsche leicht in den Erlenmeyerkolben hereinragt.
  4. Hohlstopfen Scheidetrichter – Im Betrieb den Hohlstopfen entfernen, da ansonsten das Wasser durch den Unterdruck nicht mehr tropft.

Empfehlungen Cold Drip

Abschließend möchte ich Euch noch ein paar Empfehlungen in aller Kürze für Cold Drip an sich mitgeben.

  1. Weiches Wasser verwenden – Wenn verfügbar 80 ppm Wasserhärte. Im Handel lässt sich dazu sehr gut Purania (5 Liter Kanister) oder Volvic verwenden. Diese Wasser sind sehr weich. Warum weiches Wasser? Damit die Frucht / Säure des Kaffees stärker heraustritt.
  2. Mahlgrad – Üblicherweise verwende ich einen Mahlgrad vergleichbar French Press. Ich experimentiere aber auch zunehmend mit deutlich feineren Mahlgraden, da ich damit einen deutlich intensiveren Drip erhalte.
  3. Menge Kaffee – Für Cold Drip auf crushed Ice verwende ich üblicherweise 10 Gramm auf 100 ml. Für einen Cold Drip Gin Tonic bis zu 22 Gramm.
  4. Kaffeewahl – Spezialitätenkaffees mit prägnanten Fruchtaromen. Natürlich kann man grundsätzlich jeglichen Kaffee verwenden, aber Cold Drip ist „gnadenlos“. Das soll heißen, mit der Herstellungsvariante offenbart sich am deutlichsten welcher Kaffee gut oder doch eher von schlechter Qualiät ist. Ich verwende dafür üblicherweise je nach Bedarf meinen Äthiopien Yirgacheffe Aramo oder Papua Neu Guinea Sigri